»Während die Jugend der Zentren ihrer tragischen Zukunft entgegenblickt, träumt die Jugend der Ränder mit dem Rücken zur Wand in einer zunehmend unerträglichen Gegenwart von einer möglichen Zukunft.«
Begegnungen von einem Kontinent zum anderen, aus unserem Exil heraus, auf unseren Reisen und in unseren Kämpfen, aus den Volksversammlungen, feministischen Streiks, Widerstandskomitees, von den besetzten Kreisverkehren und aus den besetzten Wäldern heraus sind wir uns begegnet.
Im Getümmel der Straßenkämpfe, in den Gesten, die sich von einem Land zum anderen wiederholten, in den Worten, die in vielen Sprachen widerhallten, haben wir uns wiedererkannt. Wir haben verstanden, dass wir Teil eines transnationalen Kampfes sind. Dass wir es mit international organisierten Mächten zu tun haben. Und dass wir nichts ausrichten können, wenn wir voneinander isoliert bleiben.
Aus dieser Erfahrung heraus sind all jene verbunden, die unabhängig von ihrem Alter, ihrem Geschlecht, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihrer Religion oder ihrer Sprache tief in ihrem Herzen und ihrem Körper das Entstehen eines neuen revolutionären Zyklus erkannt haben.
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Wir könnten von unserer Epoche nichts anderes als die Bilder ihres voranschreitenden Zusammenbruchs in Erinnerung behalten: Brennende Wälder, Meere, die zu Massengräbern
wurden, Epidemien, Hungersnöte und vernichtende Angriffskriege.
Wir könnten uns aber auch an anderes erinnern. Daran, wie die Kraft der Aufstände die ländlichen Gebiete und die Städte dieser Welt erschütterte und kein Kontinent, keine Region verschonte. Wir könnten uns daran erinnern, wie sich überall auf der Welt die Menschen dem Fatalismus dieser Endzeitstimmung verweigerten. Wie Regierungen, Regime und so manche Herrschende gestürzt wurden. Daran, wie viele Menschen sich in diesem noch jungen Jahrhundert entschieden haben, ihre eigene Geschichte zu schreiben.
Wir könnten uns an die brennenden Polizeiwachen im Iran und an die Angriffe auf öffentliche Gebäude in Frankreich erinnern. An die riesigen Barrikaden auf dem Maidan in Kiew und an die Erstürmung der Banken während der Aufstände im Libanon. Überall wurde auf die Gewalt der Demütigung mit der Kraft des Aufstandes geantwortet.
Diejenigen von uns, die bei der Erstürmung der Triumphbögen und der präsidialen Schwimmbäder dabei waren und im revolutionären Rausch auf den Straßen getanzt haben, erinnern sich an die Wut. An die Wut, aber auch an die befreite, dem Reich der Tristesse entrissene Schönheit. Sie erinnern sich an die warme Atmosphäre einer gemütlichen Bibliothek inmitten einer belagerten Stadt. An die nächtlichen Gespräche an improvisierten Strassenküchen. An die prächtigen, mit Sprüchen voller Humor und Liebe verzierten Wände. An die tausenden Stimmen, die im Chor davon sangen, dass von nun an alles anders sein würde.
Sie können die Wände übermalen, die Statuen wieder aufstellen, uns ins Exil zwingen, einsperren und ermorden, doch das Feuer in unseren Herzen werden sie selbst in den schlimmsten, kältesten und bedrohlichsten Augenblicken nicht auslöschen. In der Revolte holen wir uns unsere Würde zurück.
Über die Kontinente hinweg, im Exil, auf unseren Reisen und während unserer Kämpfe haben wir einander gefunden. Im Tumult der Straßenschlachten, in den Gesten, die sich von Land zu Land ausbreiteten, in den Parolen, die in den unterschiedlichsten Sprachen gerufen wurden, haben wir einander erkannt. Wir haben begriffen, dass wir Teil eines transnationalen
Kampfes sind und global vernetzten Machtstrukturen gegenüberstehen. Wenn wir uns nicht zusammentun, werden wir nichts erreichen.
Die Wut und die Verbitterung über unsere Niederlagen, unsere Weigerung, sie als endgültig zu akzeptieren, weckten in uns das Bedürfnis, einander zu finden und miteinander in Beziehung zu treten. Wir haben begonnen, ein globales Netzwerk zu knüpfen, das von den Frontlinien bis zu den Vollversammlungen, von den feministischen Streiks und den Widerstandskomitees bis zu den besetzten Kreisverkehren und Wäldern eine gemeinsam Erfahrung verbindet.
Während die früheren Avantgarden das Gefühl hatten, den Massen einen Schritt voraus zu sein, sind wir uns im Klaren, dass wir den Aufständen der letzten Jahrzehnte stets einen
Schritt hinterherhinken. Sie haben uns geprägt und wir haben viel von ihnen gelernt. Von diesem Punkt ausgehend wollen wir den Faden einer generationenübergreifenden Erfahrung knüpfen, die unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder Sprache all jene miteinander verbindet, die tief in ihrem Herzen und Körper die Anfänge
einer neuen revolutionären Phase erahnen.