»Das Gefängnis kennt viele fürchterliche Dinge. Viel menschliches Leid. Davon sind wir alle hier betroffen. Doch das wichtigste im Leben ist, die Bescheidenheit und den Mut zu haben, sich selbst anzusehen, sich zu ändern, zu versuchen, sich weiterzuentwickeln und menschlicher zu werden. Das geschieht über Liebe, Zärtlichkeit, Würde, Freiheit. Für mich ist das Wichtigste, hiervon ausgehend, mein Bestes zu geben, Freiheit täglich neu zu erobern und zu lernen. Ich gebe meine Rebellion nicht auf.«

Hau ab, Mensch!

Xosé Tarrios »Hau ab, Mensch!« ist ein beeindruckendes Zeugnis von Würde und Freiheitsdrang innerhalb einer unmenschlichen Umgebung, wie sie die spanischen Isolationshaftzellen (FIES) auszeichnet. Als Protagonist von verschiedenen Aufständen gegen die Zustände in spanischen Gefängnissen erfuhr Xosé Tarrio die Begrenztheiten von Reformen des Gefängnissystems, die zur Barbarei des FIES-Systems geführt haben.

Xosé Tarrio verbrachte 17 Jahre im Gefängnis, davon zwölf Jahre in Isolationshaft. Er starb, nach einundhalb Jahren in Freiheit, am 2. Januar 2005 in Folge der gesundheitlichen Mängel und von unterlassener Hilfeleistung durch die Knastleitung.

18,00 €

Aus den Vorworten: 

[…] Eine Möglichkeit das Buch zu lesen besteht darin, die Menschen hinter den Gittern zu sehen – mit ihren und unseren Widersprüchen. Als eine Motivationshilfe (sofern es das bedarf), die Kämpfe im Knast solidarisch (aber nicht widerspruchslos) zu unterstützen, bietet »Hau ab, Mensch« mehr als genug Raum.
Der Knast richtet uns weiter zu, innerhalb wie außerhalb. Die Chance zu ergreifen, angesichts von Gewalt, Unterdrückung, Herrschaft und der Ausweitung von Machtansprüchen über unsere Körper und unseren Geist, sind der Möglichkeiten viele – diese zu nutzen und dem kollektive Strukturen entgegenzustellen, die eine herrschaftsfreie Welt aufscheinen lassen, ist mehr denn je das Gebot der Stunde. Sich aber auch nicht vereinzeln lassen und im individualisierten Freiheitsstreben sein Glück zu suchen eine der vielen Herausforderungen.
[…]
Das Buch Hau ab, Mensch öffnete vielen Personen und Kollektiven auf der iberischen Halbinsel die Augen. Niemand konnte oder wollte glauben, dass im »postfranquistischen« Spanien des so genannten »demokratischen Übergangs« die Folter andauerte, die das totalitäre Regime von Generalissimo Francisco Franco traurig berühmt gemacht hatte. Was viele nicht wahrnehmen oder verstehen wollten war, dass eine Diktatur nicht am Ende ist, weil ihr herausragendster Kopf stirbt. Die Diktatur ist ein System, in dem die Institutionen (speziell die repressiven) von straffen Parteigängern derselben geführt werden.
Und so war das, was wir im Gefängnis vorfanden, eine Legion Faschisten, in den Anstalten der »Demokratie«. Die Geschichte von COPEL inspirierte uns in gewisser Weise dazu, einen Kampf aufzunehmen, den wir von vornherein verloren wussten.
Viele Gefangene, die heute Kontakt zu Strafvollzugsgerichtsbarkeit, vis-a-vis-Besuche, Telefongespräche, Radioapparate und andere »Grundrechte« genießen, haben vergessen, dass all diese »Rechte« in Wirklichkeit Erfolge und Frucht der Kämpfe tausender Gefangener sind, die sich um COPEL organisierten. Überflüssig in Erinnerung zu rufen, dass diese Rechte uns viel Blut und Tränen gekostet haben. Viele Kämpfe, die wir damals verloren glaubten, inspirierten nachkommende Generationen. Es gibt Verluste, die keine NiederIage bedeuten und Niederlagen, die uns dabei helfen können zu gewinnen.
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