»Fuck ICE«
»Angesichts der zweiten Regierung von Donald Trump wissen viele Anarchist*innen und Antifaschist*innen nicht, wo sie anfangen sollen. Während der vorherigen Trump-Regierung bekämpften wir einen scheinbar übermächtigen Gegner, und wir errangen nur einen Sieg, der uns von feigen Demokraten aus den Händen gerissen wurde. Sie machten dort weiter, wo die Republikaner aufgehört haben. Dadurch enttäuschten sie so viele Menschen, dass Trump in der Lage war, an die Macht zurückzukehren. Dies zeigt, dass wir Recht hatten, was das Wesen der Macht betrifft. Aber das ist kein Grund, aufzugeben. Wir sind es der Welt schuldig, für eine echte Alternative zu kämpfen.«
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Wie wir der Trump-Ära entkommen
Wie stürzt mensch einen Autokraten?
Identifiziere zunächst die Teile seiner Unterstützerbasis, die nicht dauerhaft an seiner Herrschaft festhalten, deren Unterstützung jedoch unerlässlich ist, um ihn an der Macht zu halten. Analysiere ihre Interessen. Finde heraus, was für sie wichtiger ist als die Aufrechterhaltung seiner Herrschaft. Denke über ihre Schwachstellen nach. Identifiziere dann eine Form der Aktivität, die diesen Teil der Anhänger*innen des Autokraten in eine Situation bringen könnte, in der sie es vorziehen würden, ihre Unterstützung zurückzuziehen.
Mach das – egal, was es kostet. Wiederhol das so oft wie nötig, bis genug Teile der Gesellschaft ihre Meinung ändern.
So etwas Ähnliches passierte im Sommer 2020, als Trump Bundesbeamte in Portland konzentrierte, um seinen Anhänger*innen in der Kapitalistenklasse zu zeigen, dass er erfolgreich für Ordnung sorgen und den normalen Geschäftsbetrieb aufrechterhalten konnte. Im Grunde versuchte er, potenziellen Investor*innen eines Staatsstreichs einen Proof of Concept zu liefern. Weil er scheiterte, unterstützten die meisten großen Kapitalisten seinen Putschversuch von 2021 nicht. Das Verdienst dafür gebührt den Menschenmengen, die jeden Abend auf die Straße gingen und deren mutige Bemühungen nicht nur die Bundesbeamten besiegten, sondern auch Teile der herrschenden Klasse davon überzeugten, dass Trumps Bemühungen, an der Macht zu bleiben, sie nur gefährden würden.
Die Anti-Tesla-Demonstrant*innen im Frühjahr 2025 zeigten, wie effektiv diese Strategie war. Angesichts einer vereinten Front aus faschistischen Demagog*innen, christlichen Nationalist*innen und Tech-Milliardären übten die Demonstrant*innen Druck auf Tesla-Händler aus und erzielten innerhalb von drei Monaten erstaunliche Ergebnisse. Zufällig oder nicht, kam es kurz vor dem Aufstand im Juni 2025 in Los Angeles zum Bruch der Allianz zwischen Donald Trump und Elon Musk – einem der mächtigsten Mitglieder von Trumps Koalition –, was Trump in einer entscheidenden Phase ablenkte.
Wenn wir nicht für den Rest unseres Lebens unter der autokratischen Herrschaft von Donald Trump oder seinen Nachfolgern leben wollen, müssen wir mit direkten Aktionen seine Unterstützerbasis aufbrechen und diejenigen, die bisher passiv geblieben sind, dazu bringen, sich gegen ihn zu stellen.
Und dann müssen wir das Problem an der Wurzel packen.
Chancen
Angesichts der Zerrüttung der alten Institutionen und des historischen Tiefstands des Vertrauens in Politiker*innen wäre dies eigentlich ein günstiger Zeitpunkt für eine mächtige Befreiungsbewegung – wenn es eine solche Bewegung nur gäbe. Das Hauptproblem ist nicht die Stärke unserer Feinde, sondern unsere eigene Schwäche.
Unzählige Menschen, die von Trumps Politik betroffen sind, erleben täglich eine emotionale Realität der Wut, die durch Terror gezügelt wird, in der die Angst vor staatlicher Gewalt in einem Tempo zunimmt, das kaum mit ihrer Angst vor der Zukunft Schritt halten kann. Sollten Risse in Trumps Kontrolle auftreten – zum Beispiel, wenn eine Bewegung entsteht, die seine Kräfte konsequent ausmanövrieren kann –, könnte dies eine enorme Menge an aufgestauter Energie freisetzen. Wer auch immer die Menschen auf dieser Grundlage zusammenbringen kann, wird einen Weg eröffnen, den Millionen Menschen eilig beschreiten werden.
Es wird keine Rückkehr zu Bidens Amerika geben. Die Zerstörung, die Elon Musk und Donald Trump angerichtet haben, kann nicht rückgängig gemacht werden. Aber sie haben Millionen von Menschen gezeigt, wie dringend echte Veränderungen nötig sind. In den Trümmern, die sie hinterlassen haben, sollte es leicht sein, zu argumentieren, dass unsere Institutionen der Pflege und Fürsorge niemals der Gnade einiger weniger Narzissten ausgeliefert sein dürfen. Jede*r sollte erkennen können, dass das Rechtssystem die ganze Zeit nur wenige Ernennungen von der Tyrannei entfernt war, dass das gesamte politische System immer darauf ausgerichtet war, die meisten Menschen von ihrer eigenen Handlungsfähigkeit fernzuhalten.
Zumindest sind die Grenzen jetzt klar gezogen. Die extreme Rechte kann nicht mehr so tun, als würde sie sich gegen die Milliardäre stellen, die sie finanzieren; die Milliardäre können nicht mehr so tun, als würden sie Wohlstand für alle schaffen; die Zionist*innen, die sich mit der Heritage Foundation verbündet haben, können nicht mehr so tun, als würden sie Widerstand gegen den Faschismus leisten. Wer kann noch so tun, als würde Silicon Valley unsere sozialen Bindungen vertiefen, als würde künstliche Intelligenz uns kreativer machen, als würde Kryptowährung uns bereichern? Diejenigen, die 2020 Ausreden für die ICE und die Polizei gesucht haben, müssen sie jetzt als das sehen, was sie sind: eine Reservearmee, die darauf wartet, jedem Despoten zu dienen – genauso wie sie erkennen müssen, dass Grenzen keine Linien zwischen Gemeinschaften sind, sondern offene Wunden innerhalb dieser Gemeinschaften.
Während wir uns auf das Schlimmste vorbereiten, sollten wir auch proaktiv daran arbeiten, ein Best-Case-Szenario zu erreichen. So beängstigend diese Situation auch ist, wenn wir sie überstehen, werden wir in einer anderen Welt ankommen. Lasst uns jetzt, mitten im Kampf, herausfinden, was nötig ist, um dorthin zu gelangen, unsere Vorschläge bekannt machen und gemeinsam mit ihrer Umsetzung beginnen.