»Campistische Strömungen, die jede iranische Krise auf eine Folge von Sanktionen oder westlicher Einmischung reduzieren, beschönigen letztendlich das iranische Regime. Indem sie Kämpfe um Klasse, Geschlecht und Befreiung einer abstrakten Geopolitik unterordnen, tragen sie dazu bei, den Begriff der Emanzipation seines konkreten Inhalts zu entleeren.«

Aufstand im Iran. Weder Mullahs noch Schah

Seit fast einem Jahrzehnt erlebt die iranische Gesellschaft immer wieder Wellen von Straßenprotesten gegen das herrschende politische System, die Islamische Republik. Diese Proteste sind zwar durch unterschiedliche unmittelbare Auslöser entstanden, haben jedoch alle ihre Wurzeln in tiefgreifenden und ungelösten strukturellen Krisen – wirtschaftlicher, politischer und sozialer Art –, die das tägliche Leben im Iran weiterhin prägen.

Wir sind es den Basisbewegungen im Iran schuldig, uns über sie zu informieren und sie zu unterstützen, sowohl weil sie sich einer verzweifelten Situation gegenübersehen als auch um sicherzustellen, dass kein Marionettenregime, das Israel und den Vereinigten Staaten dient, an die Macht kommen kann.

 

978-3-910281-29-5

15,00 €

 

»Seit Jahren droht die Islamische Republik, dass sie, sollte sie jemals gezwungen sein, die Macht abzugeben, lieber eine Politik der verbrannten Erde betreiben und alles zerstören würde, als dem Volk ein Leben ohne sie zu ermöglichen. Heute wird diese verbrannte Erde durch eine Kombination aus US-amerikanischen und israelischen Militäroperationen und der Entscheidung des Regimes, die Straße von Hormus zu sperren, zur Realität. Nicht als Folge einer Revolution, sondern als Ergebnis dessen, was Regierungen schon immer getan haben: das Leben gewöhnlicher Menschen zu zerstören, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen.
Trump sagt offen, er strebe keinen Regimewechsel an. Er sagt, der Iran müsse den Preis für 47 Jahre Politik der Islamischen Republik zahlen. Netanjahu sagt, eine Revolution sei etwas, das die Iraner selbst tun müssten; seine Aufgabe sei es, die Bedrohung für Israel zu beseitigen. Washington und Tel Aviv handeln in ihrem eigenen nationalen Interesse.
Die pro-monarchistischen Oppositionsmedien, die den Iraner*innen wochenlang erzählt hatten, diese Bomben seien ein Geschenk der Freiheit, schweigen nun. Ihre Glaubwürdigkeit ist zusammen mit der zivilen Infrastruktur zusammengebrochen.
Wir haben schon immer gesagt: Regierungen befreien keine Menschen. Sie dienen ihren eigenen Interessen.
[…]
Nun hat Trump das iranische Stromnetz im Visier. Aber diejenigen, die im Dunkeln sitzen werden, sind nicht die Generäle, sondern Patient*innen an Beatmungsgeräten. Babys in Inkubatoren. Die Zerstörung von Stromnetzen, Wasserversorgungssystemen und medizinischer Infrastruktur tötet, wenn auch indirekt. Durch den Zusammenbruch von Krankenhäusern, den Zerfall der Arzneimittelversorgungskette und das Versagen der sanitären Grundversorgung. Untersuchungen zu den Folgen von Krieg für Umwelt und öffentliche Gesundheit zeigen, dass der Schaden weit über die unmittelbaren Opfer hinausgeht: Boden- und Wasserverschmutzung, die Zerstörung von Ökosystemen und Gesundheitskrisen, die Generationen überdauern. Der Iran-Irak-Krieg hinterließ Millionen von Landminen, die noch immer töten. Dieser Krieg stellt eine Zerstörungskraft in weitaus größerem Ausmaß dar.
Anarchistische Analyse ist keine Abstraktion, sondern basiert darauf, worin wir leben.
Die Machtkonzentration in staatlichen Strukturen und das Monopol auf Gewalt führen zu systematischer Zerstörung, nicht nur für den »Feind“, sondern auch für die Menschen, die im selben Gebiet leben. Sich in Sicherheitsfragen auf irgendeinen Staat zu verlassen, ist eine strukturelle Gefahr. Die Islamische Republik hat ihr eigenes Volk 47 Jahre lang gefährdet. Nun vollenden die Regierungen, die sie angreifen, diese Verwüstung.
In der Zwischenzeit – eine Sicherheitswarnung:
Genoss*innen im Iran sollten sich bewusst sein, dass regimenahe Akteur*innen Werbeanzeigen auf Telegram nutzen, um Nutzer*innen zu hacken und dadurch Zugriff auf ihre Geräte erlangen. Klickt nicht auf solche Anzeigen. Öffnet sie nicht. Eure digitale Sicherheit ist eure physische Sicherheit.
Unsere politische Position bleibt klar:
Wir wollen keine Islamische Republik. Wir wollen keine amerikanischen und israelischen Bomben. Wir wollen keine Rückkehr der Monarchie. Wir wollen, dass die iranische Bevölkerung – Arbeiter*innen, Frauen, ethnische Gemeinschaften, ob organisiert oder nicht – über ihre eigene Zukunft entscheidet, ohne Einmischung von außen und ohne dass ein Herrscher den anderen ablöst.
Die iranische Bevölkerung hat diesen Krieg nicht gewählt. Sie bezahlt den Preis mit ihrem Leben, ihrer Infrastruktur und ihrer Zukunft. Die Schuld für die Misere liegt bei den Regierungen, die sie verursacht haben. Bei allen.
Nein zu imperialistischem Krieg und Staatsterrorismus!
Nein zur kriminellen Islamischen Republik, die den Iran regiert!
Nein zu den Mullahs! Nein zum Schah!
Jin – Jiyan – Azadî«