»In den Tagebüchern eines Gefangenen geht es nie nur um ihn selbst, man kann sich nicht vor dem Schmerz seiner Umgebung verstecken. Die Erfahrungen derjenigen, die Folter und Eingesperrtsein erleiden, können sich nicht grundsätzlich voneinander unterscheiden, denn sie sind alle irgendwie miteinander verbunden.«

Memorandum des Diwans. Tagebuch eines Freiheitskämpfers

Im Schatten des Terrors und der Unterdrückung erzählt Karwan Rauf Hama Amin seine bewegende Geschichte als kurdischer Widerstandskämpfer im Nordirak der 1980er Jahre. Inmitten eines brutalen Kampfes gegen das Regime von Saddam Hussein wird er gefangen genommen. Drei Jahre lang ist er in den berüchtigten Gefängnissen inhaftiert, gezeichnet von harter Haft, Folter und einem täglichen Ringen um Würde und Hoffnung. Mit eindringlicher Ehrlichkeit schildert er sehr explizit den erbarmungslosen Überlebenskampf hinter den Gefängnismauern und die stille Solidarität, die ihn und seine Mitgefangenen trotz unerträglicher Qualen verbindet.
Dieses Buch ist ein Zeugnis von Widerstand, dem Streben nach Freiheit und ein Mahnmal gegen das Vergessen.

Karwan Rauf Hama Amin wurde 1967 geboren. Der KFZ-Mechaniker lebt und arbeitet in der irakischkurdischen Großstadt Slemani. In den 1980er und 1990er Jahren kämpfe er gegen das Saddam-Regime im Irak und wurde deswegen in mehreren Foltergefängnissen festgehalten. Aus Notizen und Gedanken zu dieser Zeit entstand dieses Buch.

18,00 €

 

Aus dem Vorwort:

Ich möchte unserer Jugend und dem gesamten kurdischen Volk sagen, dass dies eine wahre Geschichte ist und kein Mythos oder eine erfundene Erzählung. Es sind die tragischen Ereignisse, die wir in nur drei Jahren erlebten. Ich möchte dies als Teil der Geschichte meiner Stadt niederschreiben, über deren Gefängnisse und wie es wirklich war.

Ich bringe diese Ereignisse zu Papier mit dem Ziel, dass die Menschen in Kurdistan im Allgemeinen etwas über die Geschichte unserer Besatzer erfahren und wissen, dass sie die grausamsten Methoden der Folter und des Schmerzes an uns angewandt haben. Und um die Vergangenheit klarzustellen. Ich tue dies als Jugendlicher dieses Landes und als Kurde, der stets in Schmerz gelebt und sich mit Leid auseinandergesetzt hat, als kurdischer Mensch, der sich stets gegen Ungerechtigkeit und die Besatzer dieses Landes gestellt hat.

Die Kurden haben ein berühmtes Sprichwort: »Du wirst ernten, was du säst«. Alles, was ich geerntet habe, war Verhaftung und Misshandlung. Ich kann nicht einfach schweigen und nichts tun, und deshalb versuche ich, diese Zeilen zu schreiben, damit meine kurdischen Landsleute es besser wissen. Tausende sind gestorben, ohne in die Geschichte einzugehen, sie konnten nicht einmal ihre letzten Gebete sprechen. Ihr einziges »Verbrechen« war es, kurdisch zu sein und für die kurdische Sache gekämpft zu haben. Das bloße Leben war uns verboten. Wer leben wollte, musste in irgendeiner Weise dafür bezahlen. Was ich hier erzählen werde, umfasst nicht das ganze Ausmaß der Verbrechen und es tut mir leid, wenn ich etwas vergessen oder falsch interpretiert habe. Meine Freunde und Mitstreitenden, die inhaftiert waren, wissen alle um die Gnadenlosigkeit der Baathisten8, sie wissen um die Folter und das Elend jener Jahre. Doch denjenigen, die noch nichts gesehen oder gehört haben, möchte ich alles, was ich erlebt habe, schildern, damit sie die Wahrheit darüber erfahren, was die Baathisten sind. Es wird meinem Herzen helfen, das von Trauer erfüllt ist, und es wird helfen, Licht auf die Wahrheiten für diejenigen zu werfen, die sie suchen. Auch wenn das, was ich gesehen habe, viel weniger ist als das, was andere gesehen haben – jede Person hat ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Foltererfahrungen. Es gibt so viele, deren Familien unter Hoffnungslosigkeit, Hunger und Elend gelitten haben. Vielleicht bin ich sogar derjenige, der am wenigsten gelitten hat. Ich bin kein Held, ich bin ein Gefangener, der zum Statist in einem von den Besatzern aufgeführten Theaterstück wurde, das von den Besatzern über die kurdische Bevölkerung aufgeführt wurde. All unsere Jugendlichen waren die Statisten, und wir alle wurden zum Brennstoff der Baathisten. Wir waren keine Kriminellen. Es ist etwas ganz Natürliches: Wem ein Recht genommen wird, der kämpft dafür. Wir waren die Landbesitzenden, aber sie betrachteten uns als illegale Pächter. Doch die kurdische Bevölkerung hat weder in der Vergangenheit noch heute akzeptiert, dass man sie versklavt und mit Gewalt regiert. Und nur deshalb sahen wir uns immer wieder mit Gefängnis und Tod konfrontiert.