»Solange wie ich kann, werde ich weiter kämpfen, kämpfen bis zum Letzten! Ich hoffe, das irgendetwas eines Tages auch Früchte trägt. Ich hoffe so sehr!«

Der Taifun. Erinnerungen eines Rebellen

Andreas Krebs Salih schildert seine Erlebnisse und Erfahrungen in deutscher und italienischer Gefangenschaft und erzählt von seiner Rebellion, seinen Gefühlen und Gedanken, um das alles seinen Freund:innen und Leser:innen mit auf den Weg zu geben. Den Schluss des Buches bilden Tagebucheinträge, die während des Ausnahmezustandes im Frühjahr 2020 entstanden sind und auch über die Knastrevolten in Italien berichten.

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Wir waren verdammt gut organisiert! Ich machte auch Rundschreiben in vielen Haftanstalten in Deutschland und ließ es auch in der Zeitung abdrucken, dass wir gemeinsam für die griechischen Gefangenen einen dreitägigen Solidaritätshungerstreik machen würden. Das Datum stand fest und auch in meiner Anstalt bewegte ich mindestens die Hälfte der Insassen dazu. Für Gefangene, die kein Deutsch konnten, suchten wir Dolmetscher zum übersetzen und alle waren sie bereit dafür. Die ausländischen Gefangenen, die sich mit den Beamten nicht auf Deutsch verständigen konnten, machte ich einen kleinen Zettel mit meiner Schreibmaschine aus Landshut, wo drauf stand: »Aus Solidarität für die griechischen Inhaftierten begebe ich mich vom 18. bis zum 20. Juli 2014 in den Solidaritätshungerstreik und nehme kein Essen an.«
Dieser Aufruf war bundesweit von mir organisiert.
Und dann kam der 18. Juli und wir zogen diese drei Tage durch.
Dies hatte zu Folge, dass es sich auf der ganzen Welt herumsprach, denn ich bekam Zuschriften und Danksagungen von überall. Doch ganz besonders freute ich mich, dass sich einige aus den griechischen Gefängnissen bei mir meldeten und für die Anteilnahme und Solidarität bedankten. Dies richtete ich natürlich allen Beteiligten, die an der Aktion mitmachten, aus.
Eines der schönsten Erlebnisse und Erfolge.
Doch wie ich so bin, machte ich mir oft Vorwürfe und fragte mich selbst: »Hast du auch genug getan? Hättest du mehr machen können?«
Als wir diese Aktion machten, kotzten sicher viele Anstaltsleiter ab und mir war natürlich klar, dass dies auch sehr große Konsequenzen für mich haben kann, wie etwa Aufruf zur Meuterei. Aber es war für eine gute Sache, die mich stolz machte und mir die drohenden Konsequenzen scheißegal waren. Ob Griechenland oder egal wo auf der Welt, es verbindet uns das Dreckssystem und nur gemeinsam können wir etwas erreichen und sind eine Faust!
Wenige Wochen darauf hieß es dann durch den Anstaltsleiter, der mich in der Zelle aufsuchte (zu der Zeit hatte ich das Handy auf Vibration und in meiner Unterhose), dass ich weiter zur Entlassungsvorbereitung nach Hamburg in die JVA Billwerder verlegt werde. Und plötzlich vibrierte doch glatt das Telefon. Es kribbelte so am Sack, dass ich total erschrak. Doch der Anstaltsleiter hat zum Glück nichts geschnallt.
Nun, was blieb mir anderes übrig als die erneute Verlegung in Kauf zu nehmen. Soll ja ein nagelneuer Knast sein vom Hörensagen.
Wenn ich so überlege, dann habe ich sicher die Hälfte der Haftanstalten in Deutschland schon gesehen. Abgefahren ist das.
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